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Alles aus einer Hand

Frankfurt a. M.
StadtbahnverlÀngerung U5 ins Europaviertel

Frankfurt am Main, Deutschland /

Eine rund 2.750 m lange Stadtbahntrasse fĂŒr die U-Bahn-Linie 5 wird das neue Europaviertel auf dem ehemaligen HauptgĂŒterbahnhof in Frankfurt a. M. an das stĂ€dtische U-Bahn-Netz anbinden. 2017 hatte die Arge U5 Europaviertel, bestehend aus den Leistungsbereichen Ingenieurbau, Tunnelbau und dem Spezialtiefbau, den Auftrag fĂŒr die Errichtung eines unterirdischen, 1.160 m langen Streckenabschnitts erhalten – inklusive Anbindung an die U5-Bestandsstrecke, Errichtung eines Notausstiegs am Anschlusspunkt sowie Rohbauarbeiten fĂŒr die U-Bahn-Station GĂŒterplatz. Der neue U-Bahn-Halt wird in offener Bauweise errichtet. Im Bereich der Europa-Allee wird die U-Bahntrasse ĂŒber ein Rampenbauwerk aus den Tunnelbauwerken in geschlossener und offener Bauweise an die OberflĂ€che gefĂŒhrt.

Bild zeigt die Baustelle U5 Europaviertel aus der Luft
© Klaus Helbig / SBEV

Facts & Figures


Unternehmen

PORR GmbH & Co. KGaA, PORR Spezialtiefbau GmbH

Projektart

Alles aus einer Hand, Bahn-und Straßentunnel, SchlĂŒsselfertige Baugruben, Tunnelbau

Auftraggeber
SBEV – Stadtbahn Entwicklung und Verkehrsinfrastrukturprojekte Frankfurt GmbH

Gesamte Wertschöpfungskette aus einer Hand fĂŒr komplexes Infrastrukturprojekt

Projekt mit Pioniergeist

Zu Beginn erfolgten die vorbereitenden Arbeiten fĂŒr das Tunnelbauwerk in geschlossener Bauweise. Zwei Tunnelröhren mit LĂ€ngen von 827 m und 842 m wurden im Schildvortrieb hergestellt – eine Premiere in Frankfurt am Main. Die 580 t schwere Tunnelbohrmaschine EVA („Europaviertel anbinden“) wurde speziell an die geologischen Bedingungen angepasst und montierte im Vortrieb insgesamt 8.358 TĂŒbbinge fĂŒr die spĂ€tere Tunnelinnenschale. Der Vortrieb der SĂŒdröhre startete im September 2019 und wurde im September 2020 abgeschlossen, gefolgt vom Vortrieb der Nordröhre zwischen Januar und Mai 2021. 

Vereisungsarbeiten im Anschlussbereich an den Tunnelbestand

Im Anschlussbereich an den Tunnelbestand am Platz der Republik war eine Bodenvereisung erforderlich, um den hochsensiblen und dicht bebauten Innenstadtbereich sicher zu unterqueren, ohne benachbarte BestandsgebĂ€ude zu gefĂ€hrden oder den oberirdischen Verkehr zu beeintrĂ€chtigen. Auf Basis technischer und wirtschaftlicher Analysen entschied man sich fĂŒr den Einsatz eines Sole‑Gefrieraggregats mit einer KĂ€lteleistung von 140 kW. Über gezielt ausgefĂŒhrte Vereisungsbohrungen wurde die KĂ€lte in den Baugrund eingebracht, sodass ein vereister Bodenkörper mit einer speziell ausgeformten, kragenförmigen Anordnung der Gefrierrohre entstand. In diesen, zuvor aufgefrorenen Trichter, fuhr die Tunnelbohrmaschine kontrolliert ein. Eine zusĂ€tzlich installierte aktive KĂŒhlung an der Anschlagwand nutzte die RestkĂ€lte der rĂŒcklaufenden, bereits angewĂ€rmten Sole und beschleunigte den Aufgefrierprozess. Die erfolgreich ausgefĂŒhrte Bodenvereisung dichtete und verfestigte den Baugrund so zuverlĂ€ssig, dass der bergmĂ€nnische Tunnelvortrieb anschließend unter Druckluft sicher durchgefĂŒhrt werden konnte.

Anspruchsvolle Arbeiten unter Druckluft

Die letzten Meter bis zum bestehenden U-Bahntunnel am Platz der Republik wurden bis Juli 2022 im bergmĂ€nnischen Verfahren bewĂ€ltigt. Technisch komplexe Druckluftschleusen glichen den Luftdruck an/in der Baustelle dem Druck des anstehenden Grundwassers an, um das Eindringen von Wasser zu verhindern. Im 24/7-Schichtbetrieb stellte der PORR Tunnelbau in der SĂŒdröhre 11 Meter und in der Nordröhre 3 Meter Tunnel her. Der Gesundheitsschutz hatte dabei oberste PrioritĂ€t, daher wurden alle Personen vorsorglich arbeitsmedizinisch untersucht. Die Arbeiten liefen in 3 Schichten Ă  6 Stunden. ZusĂ€tzlich wurden rund 1,5 Stunden zum Ein- und Ausschleusen in der Druckkammer benötigt.

Rampenbauwerk und offener Tunnelbau entlang der Europa-Allee

Parallel zum maschinellen Tunnelbau nahm der PORR Ingenieurbau ab Anfang 2022 auf dem Baufeld entlang der Europa‑Allee die Arbeiten ĂŒber Tage auf. Hier entstanden das U‑förmige Trogbauwerk der spĂ€teren Rampe sowie der anschließende Tunnel in offener Bauweise. Abschnittsweise wurden Sohle, WĂ€nde und Deckenelemente betoniert und an die bereits vorgetriebenen Röhren angeschlossen. Das rund 137 Meter lange Rampenbauwerk einschließlich des markanten, dreidimensional gekrĂŒmmten Rampenkragens wurden 2023 fertiggestellt.

Aushubarbeiten fĂŒr eine der tiefsten Baugruben Frankfurts

Parallel zu diesen Fortschritten entwickelte sich die Baugrube der Tiefstation GĂŒterplatz zu einer der tiefsten Baugruben Frankfurts: rund 180 Meter lang, 25 bis 30 Meter breit und bis zu 24 Meter tief. Der Aushub erfolgte mehrstufig unterhalb insgesamt drei großer Steifenlagen aus Stahlbeton, die dem erheblichen Erd‑ und Wasserdruck standhalten mussten. Ab 2022 begann der Aushub unterhalb der ersten Steifenlage, spĂ€ter folgten die Arbeiten unter der zweiten und der dritten Aussteifungsebene. Im Zuge des Aushubs mussten zudem die TĂŒbbinge der zuvor hergestellten Tunnelröhren im Bereich der zukĂŒnftigen Station selektiv zurĂŒckgebaut werden. Dieser RĂŒckbau stellte eine erhebliche logistische Herausforderung dar, da das Abbruchmaterial unter beengten innerstĂ€dtischen Bedingungen abtransportiert werden musste.

Finale Aushubphase und Herstellung der Stationssohle am GĂŒterplatz

Ende 2023 wurde die dritte und tiefste Steifenlage fertiggestellt, was den Weg fĂŒr den finalen Aushub bis auf Endtiefe freimachte. Nach Erreichen der Zielsohle folgte die Herstellung der 0,5 Meter starken Unterbetonsohle und anschließend die Betonage der 2 Meter starken Bauwerkssohle der Station GĂŒterplatz. Diese ĂŒbernimmt spĂ€ter die statische Aussteifungsfunktion der zuvor gebauten untersten Steifenlage. In den darauffolgenden Monaten wurden die StationswĂ€nde sukzessive hochgezogen und bis zur Unterkante der mittleren Steifenlage betoniert.

Tunnelrohbau entlang der Europa‑Allee erfolgreich abgeschlossen

Zeitgleich wurden entlang der Europa‑Allee die letzten Abschnitte des Tunnels in offener Bauweise fertiggestellt. Ende Oktober 2023 wurde der letzte Deckenabschnitt betoniert, sodass alle Tunnelarbeiten – in offener wie auch in geschlossener Bauweise – offiziell abgeschlossen waren. Mit Fertigstellung des Rampenbauwerks, des Tunnelportals und der Tunnelrohbauabschnitte war ein zentraler Meilenstein auf dem Weg zur Inbetriebnahme erreicht. Die erfolgreiche Abnahme des Tunnel in offener Bauweise durch den Bauherrn fand im Februar 2026 statt.

Rohbau der Station GĂŒterplatz nimmt Gestalt an

Der Fokus des Projekts liegt aktuell auf dem Rohbau der unterirdischen Station GĂŒterplatz, die kĂŒnftig einen bedeutenden Verkehrsknotenpunkt im Europaviertel bildet. Hier entstehen nicht nur die Bahnsteig‑ und Zugangsbauwerke, sondern auch alle tragenden Strukturen, die spĂ€ter die technischen Ausbaugewerke aufnehmen werden. Architektonisch anspruchsvolle Lichtdome und EntrauchungsschĂ€chte aus Ortbeton in Sonderschalung entstehen derzeit an der Stationsdecke. Mit diesen Fortschritten rĂŒckt die Station Schritt fĂŒr Schritt ihrer vollstĂ€ndigen Rohbaufertigstellung nĂ€her. Die Fertigstellung der Station – zunĂ€chst noch ohne ZugĂ€nge – ist fĂŒr Ende 2026 vorgesehen.

Mit der VerlĂ€ngerung der U5 schafft die PORR in ARGE‑Struktur eine leistungsfĂ€hige, zukunftsorientierte Verkehrsanbindung fĂŒr einen der dynamischsten EntwicklungsrĂ€ume Frankfurts. Die Kombination aus maschinellem Tunnelbau, Spezialtiefbau, Ingenieurbau und anspruchsvoller Logistik zeigt die gesamte Bandbreite der PORR‑Kompetenzen – und unterstreicht den Anspruch, komplexe Infrastrukturprojekte aus einer Hand effizient, sicher und mit höchstem QualitĂ€tsanspruch umzusetzen.

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Weitere Informationen
StadtbahnverlÀngerung U5 ins Europaviertel

Was im BaugeschÀft letztlich zÀhlt, sind erfolgreich umgesetzte Projekte. Davon hat die PORR viele.