München
Stadtpalais Widenmayer
München, Deutschland / 04.2019 - 12.2020
Im Münchner Stadtteil Lehel, zwischen Isar, Eisbach und Englischem Garten, wurde ein historisches Gebäudeensemble an der Widenmayerstraße umfassend saniert und erweitert. Im Zuge der Baumaßnahme entstand unter dem Bestand eine Tiefgarage mit vollautomatischem Parksystem. Für die Baugrubensicherung sowie die Unterfangung der angrenzenden Bestandsgebäude übernahm der PORR Spezialtiefbau Region Süd mit Unterstützung der Niederlassung Seevetal und der Wasserhaltungsabteilung der PORR Bau GmbH Wien die Spezialtiefbauarbeiten. Die Ausführungsarbeiten umfassten Rückverankerungen, DSV-Unterfangungen, Wasserhaltung sowie zusätzliche Sicherungsmaßnahmen im Bestand.
Facts & Figures
Unternehmen
PORR Spezialtiefbau GmbH
Projektart
Schlüsselfertige Baugruben, Unterfangung
Bauzeit
04.2019 - 12.2020
Spezialtiefbau für eine Tiefgarage unter denkmalgeschütztem Bestand
Bauen zwischen Isar und Eisbach
Das Stadtpalais Widenmayer befindet sich an der denkmalgeschützten Widenmayerstraße im Münchner Lehel. Die Gebäude grenzen rückseitig unmittelbar an den Eisbach und liegen in unmittelbarer Nähe zur Isar. Auf dem rund 950 m² großen Grundstück wurden die historischen Bestandsgebäude saniert und teilweise ergänzt. Nach Abschluss der Maßnahmen entstanden insgesamt 37 Wohnungen innerhalb des Gebäudekomplexes. Noch bevor die späteren Nutzflächen und die Tiefgarage entstehen konnten, wurden unter den Bestandsgebäuden umfangreiche Spezialtiefbauarbeiten ausgeführt.
Unterfangungen für die neue Tiefgarage
Die Gründungssohle der neuen Tiefgarage liegt tiefer als die Fundamente der angrenzenden Bestandsgebäude. Daher wurden die bestehenden Fundamente mittels Düsenstrahlverfahren (DSV) bis in Tiefen von rund 11 m unterfangen. Hierfür entstanden rund 230 DSV-Säulen mit einem Durchmesser von etwa 1,80 m. Die mittlere Bohrlänge betrug rund 14 m, die mittlere Düslänge etwa 8 m. Die Arbeiten erfolgten in den Münchner quartären Kiesen sowie in tertiären Sand- und Mergelschichten. Besondere Randbedingungen ergaben sich durch Nagelfluhschichten sowie eingelagerte Baumstämme innerhalb der tertiären Bodenschichten. Diese geologischen Verhältnisse wurden bei der Ausführung der DSV-Arbeiten berücksichtigt.
Arbeiten unter beengten Platzverhältnissen
Die Spezialtiefbauarbeiten wurden überwiegend innerhalb des Innenhofs der Bestandsgebäude ausgeführt. Die Arbeiten erfolgten sowohl unter freier Höhe als auch in Bereichen mit einer eingeschränkten Arbeitshöhe von lediglich rund 3 m. Zusätzlich war die Baustellenlogistik durch die räumlichen Gegebenheiten geprägt. Die spätere Zufahrt der Tiefgarage bildete gleichzeitig den einzigen Zugang zum Baufeld und damit die zentrale Verkehrs- und Versorgungsachse der Baustelle. Die einzelnen Bauabschnitte wurden fortlaufend mit den Arbeiten an den Bestandsgebäuden abgestimmt.
Sicherung der Baugrube
Die DSV-Unterfangungen wurden während der Erd- und Fräsarbeiten des DSV-Vortriebs über zwei Lagen temporärer Litzenanker rückverankert. Insgesamt kamen rund 100 Litzenanker mit einer Gesamtlänge von etwa 1.600 m zum Einsatz. Die Anker wurden im Werk Colbitz gefertigt. Da sich die zweite Ankerlage unterhalb des Grundwasserspiegels befand, waren zusätzliche Maßnahmen zur Herstellung und Abdichtung gegen drückendes Grundwasser erforderlich. Zur Sicherung freigelegter Kellerwände wurden darüber hinaus rund 300 m Stump-Franki GEWI-Nägel eingebaut. Das anstehende Grundwasser wurde über vier Absenkbrunnen gefasst und mit entsprechender Genehmigung in den Eisbach eingeleitet.
Mikropfähle gegen Auftrieb
Zur dauerhaften Sicherung der Tiefgarage gegen Auftrieb wurden unterhalb der Baugrubensohle Mikropfähle hergestellt und mit der Stahlbetonbodenplatte verbunden. Hierfür kamen rund 30 Stump-Franki GEWI-Stahltragglieder mit einer Gesamtlänge von etwa 300 m zum Einsatz. Die Mikropfähle bilden gemeinsam mit der Bodenplatte die Grundlage für die spätere Tiefgaragenkonstruktion und übernehmen die Sicherung des Bauwerks gegen Auftriebseinwirkungen.
Grundlage für die neue Nutzung
Noch bevor die Wohnungen und die Tiefgarage genutzt werden konnten, entstanden unter dem historischen Gebäudeensemble die Fundamente und Sicherungsmaßnahmen für die neue Nutzung. Mit den Unterfangungen, der Baugrubensicherung, den Mikropfählen und den Wasserhaltungsmaßnahmen wurden die Voraussetzungen für die weitere Entwicklung des Stadtpalais Widenmayer geschaffen. Zwischen Isar, Eisbach und denkmalgeschützter Bausubstanz entstand so die Grundlage für die Sanierung und Erweiterung des historischen Ensembles.