Hannover
B3 Südschnellweg
Hannover, Deutschland / 01.2023 - 12.2030
Die historische Verkehrsachse B3 durch die Landeshauptstadt Hannover wird seit 2023 saniert. Die Bietergemeinschaft PORR/PORR Spezialtiefbau/Hagedorn wurde von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr mit dem ersten großen Abschnitt der Modernisierung des Südschnellwegs beauftragt.
Facts & Figures
Unternehmen
ARGE PORR/PORR Spezialtiefbau/Hagedorn
Projektart
Alles aus einer Hand, Bahn-und Straßentunnel, Gründung, Schlüsselfertige Baugruben, Dichtsohle
Bauzeit
01.2023 - 12.2030
Sanierung des B3 Südschnellwegs in ARGE
Straßentunnel statt Brücke
Der Südschnellweg mit seinen zwei Fahrstreifen je Richtung entstand ab 1954 und ist seitdem eine leistungsfähige und hochwasserfreie Ost-West-Verbindung im Süden Hannovers.
Im Zuge der Sanierung wird die bestehende Brücke über die Hildesheimer Straße und die Schützenallee im Stadtteil Döhren durch eine Unterquerung ersetzt. Dazu wird die ARGE zunächst eine 940 m lange Behelfsbrücke parallel zur Hochstraße errichten und dann die bestehende Brücke abbrechen. Anschließend wird ein 1.100 m langer Straßentunnel mit Rampenbauwerken zur Unterquerung der Hildesheimer Straße und der Schützenallee angelegt.
Vorbereitungen und Spezialtiefbau für Behelfsbrücke
2023 starteten die ersten Maßnahmen für den Spezialtiefbau, darunter die Errichtung einer über 1.100 m langen Schlitzwand auf der Nordseite des Südschnellwegs als Fundament für die Behelfsbrücke und Teil des zukünftigen Tunnels. Diese Arbeiten wurden Anfang 2024 abgeschlossen, sodass der Spezialtiefbau die Fläche für den Ingenieurbau freigeben konnte. Zudem begannen die Arbeiten an den Fangdämmen, die später die Auffahrten auf das Behelfsbauwerk bilden.
Baustelleneigene Abwasserreinigung
Zur Behandlung des auf der Baustelle anfallenden Abwassers wurde eine baustelleneigene Kläranlage errichtet. Sie ermöglicht die Reinigung des Abwassers direkt vor Ort. Darüber hinaus wurde eine Photovoltaikanlage auf den Containerdächern installiert, um einen Teil des Strombedarfs der Baustelle vor Ort zu decken. Ziel war es, Maßnahmen zur Energieversorgung und Abwasserbehandlung bereits in der Baustellenorganisation zu berücksichtigen.
Stahlbaumontage für Behelfsbrücke in engem Zeitplan
Mit Abschluss der Schlitzwandarbeiten startete der Ingenieurbau mit der Stahlbaumontage der 938 m langen Behelfsbrücke, die parallel zur Bestandsbrücke errichtet wurde. Die Konstruktion besteht aus 18 einzeln tragenden Teilbauwerken und wurde mittels synchron arbeitender Schwerlastkrane präzise montiert. Mehr als 40 Brückenpfeiler wurden dafür erstellt; die Stahlbauteile kamen aus zwei parallel produzierenden Lieferwerken. Ein Höhepunkt war die Montage im Kreuzungsbereich Hildesheimer Straße/Willmerstraße unter eng getakteten Wochenend-Sperrpausen.
Reibungslose Koordination durch Building Information Modeling (BIM)
Die Vielzahl der beteiligten Gewerke erfordert die Abstimmung unterschiedlicher Bauabläufe. Zur Unterstützung der Termin- und Ablaufplanung kommt eine BIM-basierte Modellierung zum Einsatz, die die Grundlage für die Umsetzung des komplexen Projekts bildet. Auch Arbeitssicherheit und Umweltschutz sind in die Prozesse eingebunden. Anfallende Baustoffe werden soweit möglich einer Verwertung zugeführt. Amphibien und andere Tiere werden durch Schutzzäune von den Gefahrenbereichen ferngehalten. Zudem sind Maßnahmen zur Gewährleistung eines schadlosen Hochwasserabflusses Bestandteil des Projekts.
Verkehrsfreigabe der Behelfsbrücke
Ende Oktober 2024 wurde die Behelfsbrücke offiziell für den Verkehr freigegeben. Mit dieser Inbetriebnahme war die notwendige Baufreiheit geschaffen, um die alte Südschnellwegbrücke sukzessive zurückzubauen und anschließend den Tunnelbau zu starten.
Rückbau der maroden Bestandsbrücke
Im Juni 2025 wurde der Rückbau der Brücke über die Hildesheimer Straße abgeschlossen. Da eine Sprengung aufgrund der angrenzenden Bebauung und Infrastruktur nicht vorgesehen war, erfolgte der Rückbau abschnittsweise mit schwerem Gerät. Sechs Abbruchbagger mit Betonscheren und Hydraulikmeißeln arbeiteten sich synchron von beiden Seiten durch das Bauwerk. Besonders herausfordernd war der Rückbau des mittleren Brückenteils, des sogenannten Hohlkastens. Hier kamen massive Hydraulikmeißel zum Einsatz, um Zugänge zu schaffen, durch die anschließend Betonscheren die Brücke in zwei Hälften trennten. Das abgetragene Material, rund 15.000 Tonnen Beton und Stahl, wurde vor Ort grob zerkleinert. Nach der Trennung wird es als Baustraße, Anschüttung oder Zuschlagstoff wiederverwendet.
Zweite Phase der Schlitzwandarbeiten
Nach Abschluss des Rückbaus startete im Frühjahr 2025 die zweite Schlitzwandphase auf der Südseite des Südschnellwegs. Dort entsteht eine weitere 1.100 m lange, bis zu 30 m tiefe Schlitzwand, die den Tunnelbau vorbereitet. Erst nach Fertigstellung kann der Bodenaushub zwischen den parallelen Schlitzwänden beginnen.
Grundlage für die zukünftige Verkehrsführung am Südschnellweg
Mit dem Ersatz der bestehenden Brücke durch einen Straßentunnel entsteht ein neuer Abschnitt der Verkehrsinfrastruktur im Süden Hannovers. Die Arbeiten am Südschnellweg schaffen die baulichen Voraussetzungen für die zukünftige Verkehrsführung entlang der Bundesstraße B3 und sind Teil der schrittweisen Modernisierung einer zentralen Ost-West-Verbindung der Landeshauptstadt.