Berlin
Lückenschluss U5 und Stationsausbau Rotes Rathaus
Berlin, Deutschland / 04.2016 - 12.2019
Mit dem Lückenschluss der Berliner U-Bahnlinie U5 entstand eine durchgehende Verbindung zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor. Der rund 2,2 km lange Streckenabschnitt führte die bestehende U5 mit der früheren Linie U55 zusammen. Westlich des Roten Rathauses wurden dafür auf einer Länge von rund 1,6 km zwei neue Tunnelröhren im Schildvortrieb hergestellt. Der östliche Projektabschnitt umfasste die Generalsanierung des viergleisigen Alex-Tunnels einschließlich des Gleisanlagenbaus sowie den Rohbau und Ausbau der Station Rotes Rathaus. Die Ausführung dieses Abschnitts lag beim PORR Ingenieurbau.
Facts & Figures
Unternehmen
PORR GmbH & Co. KGaA
Projektart
Bahn-und Straßentunnel
Bauzeit
04.2016 - 12.2019
U-Bahn-Verbindung zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor
Sanierung des Alex-Tunnels
Der rund 350 m lange Alex-Tunnel ist etwa 15 m breit und zwischen 4,70 m und 8,90 m hoch. Seine Oberkante liegt im Mittel rund 3,50 m unterhalb der Straßenoberfläche. Damit befindet sich das Bestandsbauwerk weitgehend im Grundwasserbereich. Für die Baustellenlogistik wurden zwei überdachte, jeweils 10,60 × 4,60 m große Andienöffnungen mit Kranbetrieb hergestellt. Über diese Öffnungen konnten Maschinen, Geräte und Baustoffe unabhängig vom laufenden U-Bahn-Betrieb in den Tunnel ein- und ausgebracht werden. Die Andienöffnungen bildeten damit die Verbindung zwischen der Baustelle unter der Berliner Innenstadt und den Arbeitsbereichen im Bestandstunnel.
Ballastierung im Grundwasserbereich
Die Entkernung des Bestandstunnels veränderte während der Sanierung vorübergehend dessen Gewicht und statisches System. Um die Auftriebssituation in den einzelnen Bauzuständen zu berücksichtigen, wurden die Tunnelabschnitte kontrolliert ballastiert. Beim Einbau neuer und zusätzlicher Stützen kamen außerdem druckgesteuerte Pressen zum Einsatz. Die Sanierung erfolgte abschnittsweise im Pilgerschrittverfahren mit Arbeitsbreiten von jeweils rund 1,50 m. Ein Vermessungsmonitoring begleitete die Arbeiten und dokumentierte die Bewegungen und Veränderungen des Bauwerks während der einzelnen Sanierungsphasen.
Schritt für Schritt durch den Bestand
Die Sanierung des nahezu 100 Jahre alten Tunnels erfolgte in kleinen, aufeinanderfolgenden Abschnitten. Bestehende Konstruktionen wurden zurückgebaut, ergänzt oder erneuert, während die statischen Bedingungen des Bauwerks in jeder Phase berücksichtigt wurden. Ballastierung, Pressen, Vermessung und abschnittsweiser Bauablauf griffen dabei ineinander. So entstand innerhalb des historischen Tunnelquerschnitts die bauliche Grundlage für den neuen Streckenbetrieb der U5.
Ausbau der Station Rotes Rathaus
Zeitlich versetzt zur Tunnelsanierung erfolgte der Ausbau der dreigeschossigen Station Rotes Rathaus. Die Arbeiten umfassten die öffentlichen und nicht öffentlichen Bereiche des Bahnhofs auf den Ebenen -1 bis -3. Zum Ausbau gehörten Glas-, Tischler-, Metallbau-, Putz- und Fliesenarbeiten. Darüber hinaus wurden technische Anlagen für Aufzüge, Raumlufttechnik, Gebäudeautomation, Sanitärbereiche, Brandbekämpfung und den U-Bahnbetrieb hergestellt. Die Koordination der Ausbaugewerke und der technischen Gebäudeausrüstung erfolgte unter Leitung des PORR Ingenieurbaus.
Pilzkopfstützen und Terrazzoflächen
Das Erscheinungsbild der Station wird durch mittig angeordnete Pilzkopfstützen geprägt. Die Wände sind mit hellen und dunklen Terrazzoplatten verkleidet. Verglaste Zwischenebenen schaffen Sichtbeziehungen zwischen den verschiedenen Bereichen des Bahnhofs. Die Gestaltung greift Motive des historischen Stadtgrundrisses rund um das Rote Rathaus auf und verbindet sie mit den Anforderungen einer modernen U-Bahn-Station.
Vom Bestandstunnel zur durchgehenden U-Bahn-Strecke
Mit der Sanierung des Alex-Tunnels und dem Ausbau der Station Rotes Rathaus wurde ein historischer Tunnelabschnitt Bestandteil der durchgehenden U5-Verbindung durch das Berliner Zentrum. Wo der Tunnel seit 1930 endete, führt die Strecke heute weiter in Richtung Museumsinsel, Unter den Linden und Brandenburger Tor. Unter der Oberfläche verbinden sich dabei ein nahezu 100 Jahre altes Bestandsbauwerk, neue Tunnelröhren, Gleisanlagen und eine neue Station zu einem gemeinsamen Streckenabschnitt.