Bohrpfähle zur Gründung

Bohrpfahl
Verbauarten, Vorteile und Ausführungsvarianten

Bohrpfähle werden als Gründungselemente eingesetzt, wenn hohe Lasten in tiefer liegende, tragfähigere Bodenschichten abgetragen werden müssen. Bei der Herstellung wird Boden gelöst und gefördert. Das geförderte Bodenvolumen kann dem gesamten Pfahlvolumen oder nur einem Teil davon entsprechen.

Ein bekanntes Verfahren im Spezialtiefbau ist der Bohrpfahl, auch Großbohrpfahl genannt. Die Herstellung erfolgt mit Drehbohranlagen, hydraulischen Verrohrungsmaschinen und speziellen Bohrwerkzeugen.

Zu unseren Pfahlsystemen nach DIN EN 1536 gehören:

  • Bohrpfahl
  • Teilverdrängungsbohrpfahl (TVB)
  • Schneckenbohrpfahl (SOB)

     


     

Bild zeigt die Arbeiten des Spezialtiefbaus unter beschränkter Höhe; Es wird das Greifverfahren gezeigt; zwei Bauarbeiter sitzen auf dem Baugerät und erstellen mehrer Bohrpfähle

Hamburg Kasematten: Herstellung unter beschränkter Höhe im Greiferverfahren


© PORR

Anwendungen

Bohrpfähle werden als Tiefgründungselemente für unterschiedliche Hochbau-, Ingenieurbau- und Infrastrukturprojekte eingesetzt.

Dazu zählen unter anderem:

  • BrückenIndustriegebäude
  • Wohn- und Geschäftshäuser
  • Bürogebäude und Hotels
  • Neben empfindlichen Bauwerken

Eine Ausführung unter beschränkter Höhe ist möglich.

Mit mehreren Bohrpfählen, nebeneinander angeordnet, erstellen wir auch Bohrpfahlwände als Baugrubensicherung.

Vorteile / Merkmale

Bohrpfähle stehen in unterschiedlichen Ausführungsvarianten für verschiedene Baugrund- und Projektanforderungen zur Verfügung.

Merkmale von Bohrpfählen

  • Geräusch- und erschütterungsarme Herstellung
  • Einsatz in dicht bebauten Bereichen sowie in der Nähe setzungsempfindlicher Bauwerke
  • Übertragung von Zug-, Druck- und Horizontallasten in tragfähige Bodenschichten
  • Ausführung unter beschränkter Höhe möglich
  • Herstellung von Lot- und Schrägpfählen bis zu einer Neigung von 4:1
  • Durchörterung von Hindernissen und festen Bodenschichten möglich
  • Einsatz als Einzelpfahl oder als Bestandteil von Bohrpfahlwänden
  • Ausführung als Energiepfahl für die Nutzung geothermischer Systeme möglich

Merkmale von Teilverdrängungsbohrpfählen (TVB)

  • Herstellung mit Teilverdrängung des Bodens
  • Projektabhängig unterschiedlicher Materialbedarf
  • Verringerte Bodenförderung gegenüber reinen Bohrverfahren
  • Einbau des Bewehrungskorbs im Schutz des Seelenrohres
  • Ausführung als Energiepfahl möglich
  • Herstellung von Lot- und Schrägpfählen bis zu einer Neigung von 4:1
  • Geräusch- und erschütterungsarme Ausführung

Merkmale von Schneckenbohrpfählen (SOB)

  • Herstellung mit Endlosschneckenverfahren
  • Einsatz auch zum Vorbohren in festen Bodenschichten
  • Geräusch- und erschütterungsarme Ausführung
  • Herstellungsgeschwindigkeit abhängig von Baugrund- und Projektanforderungen 

Grundlagen

Die Bemessung und die Herstellung der Bohrpfähle erfolgen nach Eurocode 7 sowie DIN EN 1536 und nach den Empfehlungen des Arbeitskreises „Pfähle“ (EA-Pfähle). Der Durchmesser kann zwischen 0,30 und 3,00 m liegen. Pfahllängen von 10 bis 50 m sind üblich.

Die gängigen Herstellungsverfahren sind:

  • Standardpfahlverfahren mittels Kelly-Drehbohren mit verrohrter Bohrung
  • Unverrohrte Bohrung mit Suspensionsstützung
  • Greiferbohrverfahren mit Verrohrungsmaschinen
  • Teilverdrängungsbohrpfähle (TVB-Pfahl)
  • Schneckenbohrpfähle (SOB-Pfahl)


Die folgenden Arten von Gründungen sind möglich:

  • Einzelpfahlgründungen mit einer punktförmigen Lasteintragung
  • Pfahlgruppengründungen mit flächenhafter Lasteintragung
  • Sonderfall: kombinierte Pfahlplattengründungen


Die Vielfalt der Ausführungsvarianten ermöglicht eine individuelle Anpassung an verschiedenste Baugrundverhältnisse und Baustellensituationen. Hohe Tragfähigkeiten sind somit gut erreichbar. 

Mit Bohrpfählen erstellen wir auch Bohrpfahlwände, um z.B. Baugruben zu sichern. Die Bohrpfahlwände können aufgelöst, tangierend oder überschnitten hergestellt werden. 

Qualitätssicherung

Zur Qualitätssicherung bei der Bauausführung sind die Anforderungen der europäischen und nationalen Normen zu beachten. Die Bemessung und die Herstellung der Bohrpfähle erfolgen nach Eurocode 7 sowie DIN EN 1536 und nach den Empfehlungen des Arbeitskreises „Pfähle“ (EA-Pfähle). Die Eigenüberwachung und Dokumentation der Bauausführung sind in den Herstellungsnormen geregelt.

Die Ausführung von Bohrpfählen erfordert eine auf die Anforderungen der jeweiligen Maßnahme individuell abgestimmte Verfahrensanweisung. So kommt es neben der Fachkenntnis und Erfahrung ebenso auf das Gefühl des Maschinenführers an. Das Bedienen der großen Spezialgeräte stellt einen sensiblen Vorgang dar, bei dem es auf die optimale Abstimmung der Herstellparameter ankommt, um den gewünschten Pfahlwiderstand zu erzielen.

Eine hohe Ausführungsqualität stellen wir sicher durch:

  • Individuell abgestimmte Verfahrensanweisungen
  • Einhaltung der Anforderungen aus DIN EN 1536, Eurocode 7 und EA-Pfähle
  • Klare Prozesse über unser Qualitätsmanagementsystem nach DIN EN 9001:2015
  • Statische oder dynamische Pfahlprobebelastungen
  • Pfahl-Integritätsprüfungen
     

Ausführungsvarianten

Die Bohrpfähle werden mithilfe einer vorauseilenden Verrohrung hergestellt, die in den Baugrund gebohrt wird. Im Inneren der Verrohrung wird das Bodenmaterial mit Bohrschnecke bzw. Bohreimer gefördert. Dies geschieht mit Kelly-Bohrgeräten und Mäkler. Im Grundwasserbereich ist Wasserauflast (>= 1,0 m) erforderlich, um Überdruck gegenüber dem Bemessungswasserstand zu erzeugen. Das im Zuge der Bohrpfahlherstellung anfallende Bohrgut wird entsprechend der Untersuchungsergebnisse gesetzeskonform verwertet oder entsorgt. Nach Abschluss der Bohrarbeiten wird ein Bewehrungskorb eingestellt. Der Einbau von Beton erfolgt im Kontraktorverfahren über Betonierrohre von unten nach oben. In einem Pfahlprotokoll nach DIN EN 1536 werden die wesentlichen Daten während der Pfahlherstellung aufgezeichnet.

Bohrpfähle können auch unter beschränkter Höhe hergestellt werden. Die Höhenbeschränkung kann durch Arbeiten in bestehenden Gebäuden, unter Brücken oder Stromleitungen begründet sein. Ab einer Arbeitshöhe von ca. 5 m ist die Herstellung von Bohrpfählen im Greiferbohrverfahren mit Verrohrungsmaschinen möglich.

Das Bild ist eine Skizze; Sie stellt die 5 Schritte dar, wie ein Bohrpfahl erstellt wird;

Herstellungsverfahren Bohrpfahl


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In der Regel wird die Bohrlochwandung bis zum Betonieren durch eine Verrohrung gestützt. Bei besonders großen Pfahllängen besteht aber die Gefahr, dass die Verrohrung im Baugrund steckenbleibt oder sogar abreißt.

Daher können Bohrpfähle, nach einer Verrohrung im oberen Bereich, in tieferen Schichten durch einen Flüssigkeitsüberdruck im Bohrloch gestützt werden. So lässt sich eine Auflockerung und Entspannung der Bohrlochwandung verhindern. Das Lösen und Fördern von Boden erfolgt über Kelly-Bohrgeräte oder bei besonders langen Bohrpfählen mit Seilbaggern und Greifbohrern.

Die stützende Flüssigkeit, die später durch Frischbeton verdrängt wird, ist im Allgemeinen eine Bentonitsuspension, die auch für die Herstellung von Ortbetonschlitzwänden verwendet wird. Im Grundwasser bzw. in einer stützenden Flüssigkeit ist der Beton als Unterwasserbeton herzustellen und einzubringen.

Die Skizze zeigt die 5 herstellungsschritte des Teilverdrängungsbohrpfahl

Herstellungsverfahren Teilverdrängungsbohrpfahl 


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Der Teilverdrängungsbohrpfahl (TVB-Pfahl) wird durch Eindrehen einer durchgehenden Bohrschnecke mit großem Seelenrohrdurchmesser bei gleichzeitiger seitlicher Bodenverdrängung und nur teilweiser Förderung auf eine vorab festzulegende Tiefe gebohrt. Die Bohrschnecke ist hierfür mit einer verlorenen Fußplatte wasserdicht verschlossen. Nach Einbau des Bewehrungskorbes in das Seelenrohr und Einpumpen des Betons bis über die Geländeoberkante wird anschließend die Bohrschnecke in der Regel ohne Drehbewegung gezogen. Dabei löst sich die Fußplatte und unter kontinuierlichem Pumpen und Ziehen verfüllt sich der freigegebene Hohlraum sofort mit Beton.

Die Skizze zeigt die 4 Herstellungsschritte des Schneckenbohrpfahls

Herstellungsverfahren Schneckenbohrpfahl


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Bohrpfähle mit durchgehender Bohrschnecke und kleinem Seelenrohr werden auch als Schneckenortbetonpfahl (SOB-Pfahl) bezeichnet. Eine seitliche Bodenverdrängung findet nicht statt. Vielmehr wird beim Ziehen der Bohrschnecke der Boden vollständig gefördert. Der Bewehrungskorb wird erst nach dem Betonieren in den frischen Beton eingedrückt oder eingerüttelt. Bei vergleichsweise geringen Pfahllasten und Pfahllängen ist der SOB-Pfahl ein sehr preiswerter Pfahl, der sich relativ schnell herstellen lässt. Aufgrund der erschütterungsfreien und geräuscharmen Herstellung eignet sich das Pfahlsystem besonders auch im innerstädtischen Bereich.